Was bestimmte die Weltgeschichte der Sklaverei?

Die ersten dokumentierten Belege der Sklavenhaltung datieren auf die Zeit der ersten Hochkulturen des Altertums. Hier war es üblich, Kriegsgefangene zu versklaven - ein Status, der sich automatisch auch auf deren Nachfahren übertrug. In den Gebieten Mesopotamiens. Ägyptens, Palästinas, Griechenlands und Roms war die Sklaverei weit verbreitet. Vor allem in den griechischen Stadtstaaten wuchs die Sklaverei durch das Prinzip der Schuldknechtschaft rasant an. Hier konnte der Käufer einer Sache oder Dienstleistung, der sich nicht in der Lage sah, seine dadurch entstandenen Geldschulden zu tilgen, dem Gläubiger als Sklave zugeführt werden, der mit ihm dann nach Belieben verfahren konnte. Auch in Rom war die Schuldknechtschaft verbreitet, wurde jedoch im Laufe der Zeit durch die Zwangsvollstreckung abgelöst. Sklaven, die im Griechenland oder in Rom freigelassen wurden, stand es jedoch frei, das Bürgerrecht zu erlangen.

Im Mittelalter wurde mit versklavten Kriegsgefangenen reger Handel zwischen den Völkern im europäischen und orientalischen Raum getrieben, beispielsweise von den Turkvölkern, den germanischen Völkern. So beispielsweise entstand auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands im Ostfrankenreich und in Sachsen ein umfangreicher und bestens organisierter Handel mit slawischen Sklaven. Da es Christen verboten war, andere Christen in der Sklaverei zu halten, ging der Sklavenhandel im Zuge der zunehmenden Christianisierung im mitteleuropäischen Raum des Hochmittelalters zurück. Im Schwarzmeerraum, den italienischen Seerepubliken, auf dem Balkan sowie in Ägypten erfreute sich die Sklaverei jedoch nach wie vor großer Popularität.

Zu einem erneuten Aufschwung der Sklaverei in Europa kam es Anfang der Neuzeit, nur dass die Sklaven jetzt weniger in Mitteleuropa, sondern vielmehr in den neu errichteten überseeischen Kolonien gehalten wurden. Diese nämlich waren recht dünn besiedelt, sodass für den Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur und Ökonomie die Arbeit der lokalen Sklaven unabdingbar war. Die wirtschaftliche Macht der Kolonien basierte Jahrhunderte lang auf der Arbeit der Eingeborenen. Führend im überseeischen Sklavenhandel war bis ins neunzehnte Jahrhundert hinein die Seefahrernation Portugal. Man schätzt, dass in der Neuzeit von portugiesischen Kaufleuten allein nach Brasilien mehr als drei Millionen afrikanischer Sklaven verkauft wurden, wo sie beispielsweise auf Zuckerplantagen arbeiten oder nach Bodenschätzen graben mussten. Erst 1888 wurde in Brasilien als letztem Land der westlichen Hemisphäre die Sklaverei verboten. Bis dahin waren neben Portugal aber auch die anderen europäischen Seehandelsmächte am internationalen Sklavenhandel beteiligt, von Spanien, Großbritannien, Frankreich und Holland bis zu Schweden, Dänemark und Brandenburg.

In außereuropäischen Kulturen war die Sklaverei lange traditionell verbreitet, von den Azteken über die Indianer Nordamerikas bis zu Teilen Asiens und Afrikas. Die Sklaverei im Islam, die die Formen früher Sklaverei aufgriff und fortsetzte, ist bis heute ein Politikum, welches als Tabu betrachtet wird, aber dennoch - Stichwort „Haussklaven“ - besteht.

Seit dem späten achtzehnten Jahrhundert begann die weltweite Abschaffung der Sklaverei. Das letzte Verbot datiert erst auf das Jahr 1981, als Mauretanien die Sklaverei abschaffte. Nun besteht in keinem Land der Welt mehr die gesetzliche Grundlage für die Haltung von Sklaven.